|
Chronologie
Kleinasien war schon in der Steinzeit besiedelt. Erst 1964 wurde bei Çatalhüyük
(nahe Konya) eine geschlossene Wohnsiedlung aus der Zeit um 6000 v. Chr. ausgegraben.
Eindrucksvolle Zeugnisse aus der Bronzezeit sind die Grabbeigaben aus den Königsgräbern
von Alacahöyük, einem vorhethitischen Stadtstaat.
1800 - 1400 v.Chr.
Die Hethiter treten in Ostanatolien auf. Hattusas (beim heutigen Bogazkale) wird die Hauptstadt
eines hethitischen Reiches, das sich später bis zum Taurus ausbreitet. Um 1600 v. Chr. wird Babylon
von den Hethitern erobert. Dann setzt der Zerfall der Macht ein.
1400 - 1200 v.Chr.
Das Hethiterreich ist wieder erstarkt und wird erneut zu einer Großmacht, die ihre Grenzen bis nach
Syrien vorschiebt.
1286 v. Chr.
besiegt der Hethiterkönig Muwatallis II. den ägyptischen Pharao Ramses II. bei Kadesch;
ein Friedensvertrag wird abgeschlossen. In dieser Zeit breitet sich im östlichen Mittelmeer die
mykenische Kultur aus. Um 1240 wird Troja von mykenischen Griechen zerstört, und um 1200 v. Chr.
dringen Völker aus Südosteuropa nach Anatolien vor und vernichten das Hethiterreich.
1200 v.Chr.
In Ostanatolien setzen sich die Urartäer fest und gründen ein Reich, dessen Hauptstadt das heutige
Van ist. Die Skythen bringen dem Urartäerreich den Untergang (585 v. Chr.).
750 v.Chr.
Die Phryger gründen zwischen dem heutigen Ankara und Eskisehir ein Reich, das sich bald bis
an die ägäische Küste erstreckt.
680 v.Chr.
Die Lyder errichten in West-Kleinasien ein Reich, dessen Hauptstadt Sardes (das heutige Sart)
in der Nähe von Izmir liegt.
640 v.Chr.
Der Perserkönig Kyros I. dehnt seine Herrschaft über ganz Kleinasien aus.
550 v.Chr.
Die Kimmerier zerstören das Phrygische Reich. Der letzte König, Midas, begeht Selbstmord.
546 v.Chr.
Das Lyderreich wird vom Perserkönig Kyros II. erobert.
500 v.Chr.
Die ionischen Städte an der kleinasiatischen Küste erreichen ihre höchste Blüte. Unter Führung
Milets schließen sich Smyrna, Ephesus, Priene u.a. zum Ionischen Städtebund zusammen. Nach dem
mißglückten Aufstand der Städte gegen die Perser (494 v. Chr.) wird Milet zerstört, und ein Rückgang
der ionischen Kultur setzt ein.
334 v.Chr.
Alexander der Große überschreitet den Hellespont und schlägt 333 v. Chr. das persische Reichsheer bei
Issos (bei Adana).
323 v.Chr.
Alexander der Große stirbt und seine Feldherren Lysimachos, Antigonos und Seleukos herrschen als
Diadochen in Kleinasien.
282 v.Chr.
Philetairos macht sich mit dem Schatz des Lysimachos in Pergamon selbstständig und gründet das
Pergamenische Reich.
133 v.Chr.
Rom erbt das Pergamenische Reich. Kleinasien wird römische Provinz.
395 n.Chr.
Das Römische Reich wird geteilt; Kleinasien bildet nun das Kernland des Byzantinischen Reiches.
672 n.Chr.
Die Araber stürmen durch Kleinasien, belagern Konstantinopel, können sich aber nicht festsetzen.
1071
Die Seldschuken schlagen den byzantinischen Kaiser Romanos IV. Diogenes bei Mantzikert
(heute Malazgirt) und gründen in Inneranatolien ein Reich mit der Hauptstadt Konya. Durch Mongolen
und Osmanen bedrängt, zerfällt das Reich später in Emirate.
1096 - 1204
In mehreren Kreuzzügen durchziehen europäische Ritterheere Kleinasien auf dem Weg nach Palästina.
1258
Die Mongolen unter Hulago brechen in Anatolien ein.
1277
Die Mamluken unter der Führung des Sultans Baibars erscheinen in Kleinasien und schlagen die Mongolen,
vermögen aber nicht, deren Herrschaft in Anatolien zu brechen.
1281 - 1326
Osman I.
Mit ihm beginnt die Geschichte des Osmanischen Reiches und der glänzende Aufstieg
dieses Türkenvolkes zur Großmacht. Die Heimat der Osmanen ist das innere Asiens. Von 500 bis 1000
entstanden zwischen Aralsee und Persien mehrere türkische Reiche. Aus den Gebieten östlich des
Kaspischen Meeres wanderte ein türkischer Stamm unter dem Khan Ertugrul (gest. 1281) in Kleinasien ein.
Ertugruls Sohn Osman, dessen richtiger Name vielleicht ATAMAN war und aus religiösen Gründen in Osman
umgewandelt wurde, gründete ein kleines Grenzfürstentum zwischen Eskisehir, Sögüt und Domanic.
Nach Osman nennen sich die unter seiner und der Herrschaft seiner Nachkommen lebenden Türken Osmanen.
Osmans Sohn Orhan (1326 - 1359) eroberte nach dem Tod seines Vaters das belagerte Bursa (1326).
1359 - 1389
Murat I., der erste Osmanenherrscher, der den Titel Sultan trägt und Nachfolger Orhans ist, festigt
das junge Reich militärisch. Den Hauptstoß seiner Armeen aber führt er gegen die byzantinischen
Besitzungen auf dem Balkan. 1361 wird Adrianopel, das heutige Edirne, erobert und später zur neuen
Hauptstadt erklärt. Die Türken stoßen weiter nach Norden vor und nehmen Nisch und Sofia.
1389 kommt es auf dem Amselfeld bei Prischtina zur Entscheidungsschlacht, in der Murat I. die Serben
vernichtend schlägt, selber aber von einem Serben erstochen wird.
1389 - 1403
Beyazit I, der Sohn Murats I., wird noch auf dem Schlachtfeld zum Sultan ausgerufen. Sein Ziel ist
die Eroberung Konstantinopels. Zuvor muß er sich jedoch eines ungarischen Heeres unter Kaiser
Sigismund erwehren, das 1396 völlig vernichtet wird. Die Heere des Beyazit stoßen auf diesem Feldzug
bis in die Steiermark vor. Dann unternimmt der Sultan einen Eroberungszug nach Griechenland, das er
in kurzer Zeit unter seine Herrschaft bringt. Beyazit, der inzwischen den Beinamen Yildirim ("Blitz")
erhalten hat, bereitet nun die Eroberung der byzantinische Hauptstadt vor. Da erscheint der Eroberer
Timur in Ostanatolien. Beyazit muß sich den Mongolen zur Schlacht stellen und wird 1402 bei Ankara
vernichtend geschlagen. Im Städtchen Aksehir stirbt Beyazit 1403 in mongolischer Gefangenschaft.
1413 - 1421
Mehmet I. Er beendet die Thronstreitigkeiten, die nach dem Abzug Timurs in dem geschwächten
Osmanischen Reich aufgeflammt waren.
1421 - 1451
Murat II. Der Krieg gegen Konstantinopel wird wiederaufgenommen.
1451 - 1481
Mehmet II, genannt "Fatih Sultan Mehmet".
Ihm gelingt es am 29. Mai 1453 das letzte Bollwerk des Byzantinischen Reiches zu erobern. Konstantinopel
wird als Istanbul die neue Hauptstadt der Osmanen. 1459 wird Serbien, 1461 Griechenland, 1463 Bosnien
und 1479 Albanien zu türkischen Provinzen. Mehmet II. ist nicht nur ein Eroberer, er schafft auch
grundlegende Staatsgesetze. Eine Reihe von Bauwerken Istanbuls stammt aus seiner Regierungszeit.
Mehmet II. hat auch die grausame, aber bezeichnende osmanische Tradition begonnen, nach welcher der
Sultan, sobald er die Macht antrat, seine Brüder ermorden ließ. Er gab den Befehl, seinen unmündigen
Bruder Ahmet zu erdrosseln. Dies diente dem Zusammenhalt des Reiches. Die historische Erfahrung hatte
gezeigt, daß die Söhne verstorbener Herrscher sich in allen muslimischen Dynastien immer wieder um das
Erbe stritten. Es gab kein Erstgeburtsrecht, und die Söhne, meist verschiedener Mütter, erbten die
Rivalitäten und Feindschaften der verschiedenen Gemahlinnen, indem sie sie auf ihre Halbbrüder und
Halbschwestern übertrugen. Erbfolgekriege brachen immer wieder aus. Nur die osmanische Dynastie besaß
die grausame, aber konsequente Entschlossenheit, diesen Kriegen zuvorzukommen. Die späteren Jahrhunderte
kannten statt der Hinrichtung die etwas mildere Prävention durch den "Käfig", einige halbunterirdische
und ständig bewachte Gemächer im Palast, in die die Brüder des Herrschers eingesperrt wurde, ohne sie
verlassen zu dürfen, solange ihr Bruder regierte.
1512 - 1520
Selim I.
Schon vor dem Tod seines Vaters, Beyazit II., kam es zu einem Nachfolgekrieg zwischen seinen beiden
Söhnen Ahmet und Selim. Der Sultan begünstigte Ahmet, doch die Janitscharen erhoben sich, setzten den
Sultan ab und hoben Selim auf den Thron. Selim ließ nicht nur seine beiden Brüder hinrichten, sondern
ließ auch alle sieben Söhne seiner Brüder und vier seiner eigenen Söhne erdrosseln, so daß nur ein
möglicher Nachfolger, der begabteste von allen, Süleyman, übrig blieb.
Persien wird erobert und Schah Ismail 1514 in der Schlacht von Tschaldiran geschlagen. 1516-17 werden
Syrien und Palästina erobert. Das Kalifat geht an Istanbul über. Durch Siege über die Mamluken und Araber
dehnt Selim die Grenzen seines Reiches bis nach Ägypten aus.
1520 - 1566
Süleyman I, genannt "Süleyman der Prächtige" oder "Kanunî Sultan Süleyman".
Unter seinem Befehl fällt 1521 Bagdad, wird 1522 Rhodos besetzt und 1533-36 Mesopotamien erobert.
Danach wendet er sich mit seinem Heer wieder dem Balkan zu. Nach der Einnahme von Belgrad schlägt er
die Ungarn bei Mohács und dringt bis Wien vor. Es gelingt ihm allerdings nicht, die Stadt einzunehmen.
Trotz des Mißerfolges steht das Osmanische Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht.
Seine Flotte beherrscht das Mittelmeer und Tripolis, Tunis und Algerien kommen unter türkische
Oberhoheit.
Auch als Staatsmann leistet Süleyman Hervorragendes. Er legt die große Gesetzessammlung "Kanunname" an,
die bis zum Ende des Reiches in Kraft bleibt. Zahlreiche von ihm erbaute Moscheen, Bäder und Schulen
künden noch heute vom Glanz seiner Regierungszeit. 1566 bricht Süleyman noch einmal nach Wien auf.
Bei der Belagerung der Stadt Szigeth (Szigetvar) stirbt er. Süleyman ist der letzte bedeutende Sultan.
Unter seinen Nachfolgern schwindet die Macht der Herrscher und des Osmanische Reiches.
1566 - 1574
Selim II. Er verliert 1571 die Seeschlacht von Lepanto gegen die Venezianer und Spanier. Dadurch wurde
die Vorherrschaft im Mittelmeer verloren.
1648 - 1687
Mehmet IV. Während seiner Herrschaft erstarkte die Türkei nochmals durch die Reformen des Großwesirs
Kara Mustafa (Mustafa Köprülü) und seines Sohnes Ahmet.
1683
Noch einmal marschiert ein türkisches Heer unter dem Befehl des Großwesirs Kara Mustafa nach Wien.
Trotz zwanzigfacher Übermacht gelingt es den Türken nicht, die Stadt zu erobern. In der Schlacht am
Kahlenberg wird das türkische Heer entscheidend geschlagen und zum Rückzug gezwungen.
Budapest, der Peloponnes und Belgrad gehen verloren. Die Sultane selbst üben kaum noch die
Staatsgeschäfte aus; den Großwesiren und oft auch den Eunuchen ist alle Macht übertragen. Immer mehr
wird Rußland, das eindeutig nach den Meerengen strebt, zum Gegenspieler der Türkei.
Die um das Gleichgewicht im Mittelmeer besorgten Engländer und Franzosen werden somit zu Bundesgenossen
der "Hohen Pforte". Das ganze 18. Jahrhundert steht im Zeichen des Gegensatzes zwischen diesen beiden
Staaten.
1774
Rußland zwingt die Türkei zum Frieden von Küçükkaynarca. Die Krim geht den Osmanen verloren, und den
Russen wird die freie Durchfahrt durch die Dardanellen gestattet. Erst Napoleons I. Erscheinen in Rußland
gibt der Türkei eine Atempause.
1808 - 1839
Mahmut II. Der Sultan nutzt diese Pause, um die von der Reaktion heftig befehdeten Reformen durchzuführen.
Das Janitscharenkorps, eine Elite-Infanterie, deren Agas (Kommandeure) starken Einfluß im Sinne der
Reaktion ausüben, wird 1826 durch ein Massaker vernichtet. Danach erschafft Mahmut II. ein modernes
Heer.
1853 - 1856
Es kommt zum bislang größten Konflikt mit Rußland, dem "Krimkrieg", in dem die Türkei von England und
Frankreich unterstützt wird. Sultan Abdülaziz (1861-76) wird ermordet, Murat V. (1876) wegen
Geisteskrankheit abgesetzt.
1876 - 1909
Abdülhamit II. Das Reich erhält eine erste (kurzlebige) Verfassung. Der Russisch-Türkische
Krieg (1877-78) endet mit dem Verlust der meisten europäischen Gebiete. Nach der Revolution
der "Jungtürken" (1908) wird der reformfeindliche Sultan abgesetzt.
1909 - 1918
Mehmet V. Der Tripolisfeldzug (1911-12), die beiden Balkankriege (1912-13) und der Erste
Weltkrieg (1914-18) stellen die Türkei vor neue Aufgaben, so daß die Reformen nur teilweise
durchgeführt werden können. Die Türkei steht auf seiten der Mittelmächte und läuft nach dem
Zusammenbruch 1918 Gefahr, vollständig von den Alliierten besetzt zu werden.
1919
Landung des Mustafa Kemal in Samsun. Er ruft zum bewaffneten Widerstand gegen die Invasoren, die
Anatolien annektiert haben, auf und bricht die Beziehungen zur Regierung des Sultans ab.
1920
In Ankara wird die "Große Nationalversammlung" einberufen,
die Mustafa Kemal zum Präsidenten wählt.
Ein Sonderfrieden mit Frankreich und ein Freundschaftsvertrag mit Rußland werden abgeschlossen.
Die Griechen werden nach Kämpfen (1921-22) aus Anatolien vertrieben. Thrakien wird wiedergewonnen.
1921
Das Sultanat wird abgeschafft. Die griechische Armee erleidet nach mehreren Kämpfen von
1921 - 1922
in Anatolien eine absolute Niederlage und wird in Izmir in die Ägäis getrieben.
1923
24. Juli. Friedensvertrag von Lausanne. Ankara wird neue Hauptstadt.
24. Oktober. Die "Türkische Republik", mit Ankara als Hauptstadt,
wird proklamiert. Präsident der Republik ist Mustafa Kemal Pasa, später
ATATÜRK ("Vater aller Türken") genannt.
1924
Abschaffung des Kalifats. Erste Verfassung der Republik.
1925
Beginn der großen Reformen: Lateinische Schrift, Frauenstimmrecht, Einehe, Gregorianischer Kalender,
Verbot des Fes, Anerkennung des Sonntags als Ruhetag, Gebrauch von Familiennamen u.a.
Diese Neuerungen machen die Türkei zu einem modernen Staat.
1936
Meerengenkonvention von Montreux.
1938
Am 10. November stirbt Mustafa Kemal ATATÜRK.
|